Kultur

Die Explosion ungezügelter Lebensfreude – Das Electronic Swing Orchestra aus Berlin

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Swing the City – Die Pioniere der elektronischen Swingmusik im Interview

Electro Swing nennt sich das extrem tanzbare Genre das seit Jahren auf Partys in ganz Europa unaufhaltsam immer mehr Anhänger findet. Künstler wie Alice Francis, Parov Stelar und das Electronic Swing Orchestra machen es vor.

Weltweit wird auf die Musik – eine Mischung aus dem Jazz der 20er und 30er Jahre und Electro Beats – gefeiert. Waren die Partys und Konzerte früher noch ein Geheimtipp, sind sie heute ausverkauft. Das Electronic Swing Orchestra, Berlin’s Antwort auf Parov Stelar, klingt wie eine Explosion ungezügelter Lebensfreude, fantastisch, melodisch, zuckersüß und doch ganz frei. Die Hauptstädter präsentieren sich während ihrer Gigs unabhängig und zauberhaft schön. Die verrückte Kombo spielt mit Nähe zum Publikum und groovigen Beats.

Die Zirkusatmosphäre lädt zum Tanzen ein

Berlin zeigt sich von seiner artistischen Seite und die Band versorgt die Menschen dazu mit Glitzer, radikaler Großstadtpoesie und Musikern, die leben was sie lieben: Ob Saxophon oder Gesang, ob Dj oder Quetschkommode. Jeder hat seinen großen Auftritt. Das Electronic Swing Orchestra erschafft dazu melodische Wolken und lädt das Publikum währenddessen ein, auf diesen Mitzutanzen und dem Grau in Grau der Großstadt zu entkommen.

Ganz eigen und doch harmonisch, zeigen sich die sechs Musiker, während der Groove bereits  Swing-Liebhaber und Gäste ihrer Konzerte in seinen Bann gezogen hat. Mit Kostümen aus verruchtem Zirkus und Utopia sorgen sie für visuelle Highlights und kaschieren damit gekonnt den Trubel der Urbanen Welt aus der sie stammen und die Ihnen bei Ihren Auftritten zu Füßen liegt.

Treibende Beats, jazzige Einlagen und jede Menge Swing

Gekonnt unaufgesetzt begeistern sie Menschen, die nach einer romantisch obskuren Auszeit suchen und nehmen sie mit, auf eine Reise, die keinen festgelegten Ort und keine Zeit kennt. Frei und liberal, betörend und dunkel. Glitzernd und sanft. „Swing your life – und alles wird gut.“

 

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| INTERVIEW |

Ihr kombiniert das Lebensgefühl und die Rythmik der 20er Jahre. Ihr seid, neben Parov Stelar, einer der führenden bekannten Swing-Elektro Bands in Deutschland. Wie habt ihr Euch gefunden und ist das Electronic Swing Orchestra entstanden?

Felix Schmeckefuchs: Wir haben uns zufällig in der Wiener Prater Sauna getroffen. Ein paar von uns hatten vorher schon zusammen Musik gemacht. Desna war zum Beispiel jahrelang als obdachlose Straßenmusikerin tätig. Man kann sagen, dass es für uns alle nach oben ging, nachdem wir uns kennengelernt hatten. Wir sind ja musikalisch sehr unterschiedlich sozialisiert, da entsteht eine ziemlich kreative Spannung. Desna Marleen: Also echt! Nur weil ich „Lady in Black“ spielen konnte, heißt das noch lange nicht, dass ich als Straßenmusikerin Rang und Namen hatte!

Welche Instrumente sind das „Must have“ einer guten Swing Band?

Felix Schmeckefuchs: Wir sind ja nicht so für Dogmen. Wenn ihr uns fragt ist alles in Ordnung, Banjo ist geil. Ohne Blasinstrumente geht nix und wir setzen ja gern auf bassgewaltige Elektronikgeräte um unsere musikalische Botschaft zu übermitteln.  Desna Marleen: Banjo?  Felix Schmeckefuchs: Gibt’s jetzt irgendwelche Probleme mit Banjos? Ok, Schifferklavier, da kann keine*r was gegen sagen..

Es heißt, wenn ihr auf der Bühne seid, erlebt man ein rauschendes Klang – und Tanzerlebnis. Woher kommt diese Begeisterung bei den Menschen für Swing?

Felix Schmeckefuchs: Ist das Begeisterung für Swing, oder haben die Leute sich vielleicht einen kleinen Schwipps zugelegt? Nee, Quatsch, Swing ist einfach ein mächtiges, altes Stück Kultur, das steckt in den meisten Hirnen noch was von drin, auch wenn vielleicht nicht so genau wissen. Wenn das dann in einem modernen Gewand auf die Bühne kommt, wird glaub ich etwas wachgerüttelt in den Menschen. Desna Marleen: Wenn du mich fragst:  Ich finde, dass Swing einfach zeitlos ist. Es macht gute Laune, ist leidenschaftlich und musikalisch.

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Was geht bei Euren Partys so ab? Erzählt doch mal!

Felix Schmeckefuchs: Wir machen astreine Knutschmusik. Davon bleibt das Publikum meistens nicht ganz unberührt. Es gab auch schon mal eine Situation mit alkoholfreiem Sekt, im Kater Holzig, das dürfen wir vielleicht jetzt nicht ausplaudern. Zu einem Anlass hatten wir unsere Garderobe komplett zu Hause gelassen und uns die Kostüme direkt auf die Haut gemalt. Hat aber im Publikum letztendlich niemand gecheckt, soweit ich mich erinnern kann. Die hatten alle die Augen zu und waren vom Gesang gefesselt.

Desna Marleen: Auf dem 3000Grad Festival hat mir der gerade gekürte Arschbombenweltmeister direkt auf der Bühne einen Heiratsantrag gemacht!

Ihr spielt auch auf Festivals. Welche haben Euch bisher am meisten beeindruckt?

Felix Schmeckefuchs: Die schönsten Festivals verpflichten uns ja immer zum Stillschweigen, da sie ihre Existenz geheim halten wollen. Was mich aber richtig beeindruckt hat, war das Solarfestival in der Altmark, die haben mal abgesehen von der malerischen Location ihren kompletten Energiebedarf aus Sonnenlicht gedeckt. Richtig Spaß hatten wir auch letztes Jahr bei euch auf dem Keine Knete trotzdem Fete, das lag hauptsächlich an den Menschen die da waren. Desna Marleen: Ich habe die Fusion sehr genossen!! Felix Schmeckefuchs: Fusion ist natürlich ne Kategorie für sich..

 

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Die Mode, der 20er Jahre, die durch Extravaganz gepaart mit Lässigkeit besticht, ist bei euren Gästen genau so ein Thema wie bei euch als Künstlern. Wer macht Eure Kostüme?

Felix Schmeckefuchs: Wir werfen uns alle gerne in Schale. Mode zu konsumieren finden wir ehrlich gesagt genauso scheiße wie die beschissenen Verhältnisse in den meisten Textilfabriken. Das heißt, unsere Sachen kommen hauptsächlich vom Flohmarkt, oder wir nähen was um, das wir irgendwo aus ner Freebox gefischt haben. Das einzige bei dem wir uns ein großes Maß Dekadenz und Verschwendungssucht zugestehen, sind bei Glitzer und Tschampagner.

Desna Marleen: Die ersten Frauenhosen damals waren provokant und ich würde auch sagen,dass wir gern provozieren. Aber vor allem fühlen wir uns gern wohl! Die einen mit Korsett, die anderen am liebsten mit gar nix! Der Nächste vielleicht mit ner Ladung Tüll oder auch einfach nur elegant. Dann wieder ein Musiker im Trainingsanzug. Wie auch in den 20er Jahren versuchen wir uns von vorgegebenen Rollenbildern zu lösen und wollen uns nicht einfach einer Glanz und Glamourwelt hingeben, sondern uns gegen Modewahn und Schönheitsideale wehren.

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Lebt ihr diese Epoche auch Privat?

Felix Schmeckefuchs: Wir mussten unserem Label vertraglich zusichern, keinerlei Privatleben in Anspruch zu nehmen. Das heißt: Ja! Zwangsläufig! Oder Nein? Wir leben ja im Hier und Jetzt aber es sind trotzdem finstere Zeiten. War ja in der Weimarer Republik ähnlich. Wenn die Zivilisation den Bach runter geht, lässt es sich natürlich um so ausgelassener Feiern. Das heißt aber nicht, dass wir uns aus der Verantwortung nehmen, für das was um uns herum vorgeht. Desna Marleen: Tanzen, den Moment leben, das Leben genießen! Auf jeden Fall! Aber es ist wichtig, das unter der Oberfläche auch etwas passiert.

Welche Musik läuft zu Hause an den Plattentellern?

Desna Marleen: Iron Maiden, Emma Goldman… (war doch die Leadsängerin von ABBA?)

Welche Ziele steuert ihr musikalisch an? Wo kann man Euch sehen, erleben und mit Euch tanzen?

Felix Schmeckefuchs: Wir haben ja grade unsere zweite Schallplatte unter dem Titel „Schlaraffenland“ raus gebracht. Der Titel-Track ist eine nachdenklich verträumte Ballade über Hedonismus und die Rave-Kultur, mit der wir in der Verangenheit,  hin und wieder zu tun hatten. Jetzt arbeiten wir auf ein neues Album hin. Arbeitstitel ist „Sektempfang im Carloft“. Das wird krachen. Kann aber noch ein paar Monate dauern.

Desna Marleen: Anarchie und Luxus für alle!!!

 

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6. November 2014

About Author

Neo ist gut in drei Worten zu beschreiben: Blogger.Lover.RiotGirl. Ihr Herz hat sie in London verloren und in Hamburg wiedergefunden. Mit ihrem lauten Lachen steckt sie nicht nur zu neuen Abenteuern an, sondern nimmt das Leben mit dem gewissen Sinn für Humor ernst. Sie ist immer auf der Suche nach neuen Geschichten und Menschen, die wie sie voller Liebe zum Leben sind und zwischen den Zeilen zur Ruhe kommen. Widerstand ist ihr Lebensmotto! Frei fühlt sie sich auf Reisen und in kleinen, dreckigen Spelunken, in denen sie gerne Kurze kippt und versucht die Jukebox zu bedienen.


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