Queer-Love

Die Lust an der Freiheit – Christopher Street Day Berlin

Christopher Street Day 2013 Berlin

Der CSD in Berlin! Freiheit, Liebe, Alles!

Seit 35 Jahren begeistert der Christopher-Street-Day in Berlin die Menschen. Am Samstag den 22. Juni 2013 zog die Parade der Schwulen und Lesben wieder durch die Straßen der deutschen Hauptstadt – diesmal mit einigern Neuerungen. Zum ersten Mal fanden die „Community Awards statt“. Neben einer Jury durften alle Teilnehmer der Parade per SMS-Voting den schönsten Wagen küren. Der Andrang auf Berlins Straßen war groß. Zum diesjährigen Christopher-Street-Day kamen wieder einige hunderttausend Besucher.

Der Zug führte über Tauentzien, Wittenbergplatz, Kleiststraße, Nollendorfplatz, Einemstraße, Lützowplatz, Klingelhöferstraße, Hofjägerallee zur Straße des 17. Juni und endete am Brandenburger Tor. Der Christopher Street Day ist die Parade der Vielfalt: Schwule, Lesben, Heterosexuelle, Dicke, Dünne, Kleine und Große feierten gemeinsam. Jeder war willkommen – außer die CDU. Die Partei wurde wegen ihres Kurses bei der Gleichstellung von Lesben und Schwulen ausgeschlossen!

Das Motto in diesem Jahr war : „Diskriminierung. Schluss mit Sonntagsreden! Demonstrieren! Wählen! Verändern!“ Die Veranstalter richten sich damit an die CDU und Kanzlerin Merkel. Ob man homosexuell ist oder hetero sollte in unserer Gesellschaft ebenso keine Rolle spielen wie das Geschlecht, oder das Aussehen. Jeder darf an diesem Tag seine Meinung sagen. Und noch ein Novum: Im Pride Village neben der Parade-Strecke richteten die Veranstalter einen Ort ein, an dem jeder der sich vorher angemeldet hatte, öffentlich eine Rede halten konnte – im Englischen bekannt als „Speakers Corner“.

Der CSD hat seinen Namen übrigens von der New Yorker Christopher Street.Die Straße im bei Schwulen und Lesben beliebten Viertel Greenwich Village war am 28. Juni 1969 der Ausgangspunkt für einen Aufstand der sexuellen Minderheiten gegen die Polizeiwillkür in der amerikanischen Großstadt. Genauer gesagt begannen die Proteste in der Bar „Stonewall Inn“. Der sogenannte „Stonewall-Aufstand“ entwickelte sich zu tagelangen Straßenschlachten zwischen Homosexuellen und der Polizei.

Seitdem findet in New York jeden letzten Samstag im Juni der Christopher Street Liberation Day statt. Die ersten Homosexuellen-Paraden fanden in Deutschland 1979 in Berlin und Bremen statt. Auch in anderen Städten wird der CSD weiterhin zelebriert. Er ist mittlerweile sogar ein weltweites Ereignis. Köln, Konstanz, Erfurt und Wuppertal durften das Fest der Liebe bereits feiern. Hamburg ( 03/08) und Stuttgart ( 27/07) folgen noch.

Die Blogger Neo und Neumann beim CSD in BerlinWir waren beim Christopher Street Day in Berlin dabei! Wir haben gefeiert, gelacht, getanzt und blicken zurück auf ein wunderbares Wochenende!

Aber wie war’s denn eigentlich? Was ist uns wichtig? Wer hatte das beste Kostüm? Was hat uns gefehlt? Und welcher Statements bringen wir mit vom Fest der Liebe? Wir stellen uns den Fragen.

Was reizt dich am CSD – warum gehst du hin?

Neumann: Die Möglichkeit, Gesicht zu zeigen und gleichzeitig unter freiem Himmel zu feiern ist in Deutschland doch recht einmalig – es sei denn, man sieht den Karneval als politische Veranstaltung an.. Neo: Dem kann ich mich nur anschließen, ich laufe mit, ich beziehe Stellung. Ich trage meine Meinung nach aussen. Freie Liebe! Freies Leben! Und freie Entscheidungen!

Was denkst du über die Homoehe?

Neumann: Lächerlich für ein Land wie Deutschland, dass es nicht längst die absolute Gleichstellung eingeführt hat. Während wir anderen Ländern predigen wollen, welche sozialen Standards sie einzuführen haben, diskriminieren wir weiterhin Mitglieder direkt aus der Mitte der Bevölkerung. Wie sagt Lady Gaga so schön, nachdem das DOMA Gesetz  in den USA gekippt wurde: Be proud, the prejudiced are now the minority. Danke. Deutschland, jetzt warten wir auf dich.

Neo: Unglaublich, dass wir erst jetzt diese Diskussion führen. Aber immerhin! Wenn ich CDU Abgeordnete bei Jauch sehe, die immer noch behaupten, die Ehe wäre ausschließlich für heterosexuelle Paare, muss ich würgen. Bitte mehr gleichgeschlechtliche Ehen, glückliche Kinder, die zwei Elternteile haben und vor allem: alle gesetzlichen Rechte! Ich kann nicht verstehen, wie andere Menschen, aufgrund ihrer Kurzsichtigkeit, diese infantilen Theorien über Familien und deren Zusammenstellungen aufdrücken wollen.

Was macht man denn eigentlich so auf dem CSD?

Neumann: Viel trinken. Und Kondome sammeln. Neo: Die Vielfalt an Menschen, an Sexualität leben und feiern. Lachen, einen guten Joint rauchen, die unfassbarsten Beziehungsdramen belauschen, tanzen und vor allem seinen gesunden, neugierigen Voyorismus ausleben und glücklich sein, das wir in unserem Land schon „so weit“ sind, das der Christopher Street Day eine feste Institution geworden ist! Denn : „Ich entscheide wen ich liebe!“

Sag mal, wie war’s denn auf der Parade?

Neumann: War vieles dabei, vom Sonnenschein zum Regenbogen bis hin zum Ballknebel. Neo: Ganz wunderbar! 35Grad, das Bier floss in Strömen, die Route war die der Loveparade (damals) – die Musik fantastisch. Ein großer Rave unter Freunden! Und Renatchen ( Renate Künast) hat uns auch nur ganz kurz gelangweilt!

Nackte Tatsachen - CSD 2013 Berlin

Skurrilster Moment?

Neumann: Von einem Wagen kam gedröhnt: Utz utz utz BUKKAKE! Direkt dahinter kam der HIV Wagen. War das schon ein Statement!

Neo: Als das schwule Pärchen, das neben uns eine Ehekrise hatte. Und das Zitat fiel: „Ich verstehe ich habe Mist gebaut! Aber müsst ihr mir gleich die ganze Wohnung zertrümmern!!“ Das ganze zog sich ca. 20 Minuten. Neumann und ich aßen währenddessen Erdbeeren und starrten die beiden an – wie im Kino. Es wurde geküsst, geschlagen, weggeschubst und beide rannten in eine Richtung – gen Nirgendwo. Wenig später tauchte der Eine auf und enschied sich vor uns in der Menge rechts abzubiegen. Dann kam der Andere joggend aus dem Seitenweg neben uns herausgeschossen und ich konnte mir nicht verkneifen, als er irritiert mit seinen Blicken seinen Freund suchte, zu schreien: RECHTS! Er ist RECHTS entlang!“ Seine Blicke wollten mich töten. Neumann und ich bekamen einen Lachkrampf.

Was hat dich inspiriert?

Neumann: Ich weiß auf jeden Fall, was mich nicht inspiriert hat: Die Lesben haben sich mal wieder im ganz fadem Licht gezeigt. Wenn man es nicht besser wüsste hätte ich gedacht, das wäre eine schlechte Marketing Aktion für Jack Wolfskin gewesen. Es gab einen Lesbenwagen, der symbolisch für das Übel stand: 4 versteinerte Frauen zappelten da um 20 Rucksäcke.

Neo: Ich war recht enttäuscht von der Lesben-Fraktion und das! in Berlin. Über den Kleidungsstil und Klischees will ich mich erst gar nicht auslassen, sonst widerspreche ich meiner Sicht der Toleranz. Also sage ich es so: Gebt mir einen Wagen, ich besorge eine attraktive, heisse lesbische Djane, packe den Wagen mit ebenfalls feierwütigen Mädels voll, die mit Individualität und sexistischem Feminismus ( gibt’s nicht? DOCH!) überzeugen! Zeigt Eure Weiblichkeit! Und das Liebe unter Frauen nicht eine Schublade ist!

Bestes Outfit?

Neumann: Putin als Transe. Dem Land würde es so viel besser gehen mit ein wenig mehr Lippenstift auf höchster Ebene.

Neo: Ich blickte zu dieser alten Säule hinüber und sah diese zwei attraktiven Männer, die wunderbare Latex-Uniformen anhatten. Es ist politisch nicht korrekt, aber mir war so, als wäre der Stil aus den 30er Jahren….Ich mochte diesen Tabubruch. Ich konnte kaum wegschauen. Sicher sind sie direkt abends ins Berghain gegangen und haben dort zu DAF getanzt oder dunkler Technomukke. Oder haben einen Sklaven in eine Badewanne gesetzt und..

Mein Lieblingsstatement vom CSD…

Neumann: Meine Wahl – Hanf legal“ ist recht platt; aber sicherlich schon mal ein Ansatz. Cockring gehört zum Schottenrock fand ich auch gut.

Neo: Some people are gay – get over it“! Oder auch der Ständer des weißbekleideten Leinenanzugträgers, der in seinen 50ern war und ziemlich aufgeheizt hinter diesen ToyBoys auf dem Wagen tanzte, allerdings seine Errektion nicht mehr ganz im Griff hatte. Das ist ein Statement!

Wenn Euch das nun inspiriert hat und ihr Lust bekommen habt für die Gleichberechtigung aller auf die Straße zu gehen und den CSD in deiner Stadt zu unterstützen, dann informiere dich und mach mit! Die Termine für alle CSD Events in Deutschland finder ihr hier.

 

23. Juli 2013

About Author

ThreeWords.Magazine Das ThreeWords.Magazine ist ein Urban Culture Magazine für Individualisten aus Hamburg und der Welt. Wir interessieren uns für Lebenskünstler, Großstadtliebe, Que(e)res Gedankengut, Nachhaltigkeit, Inspiration und Kultur. Für uns ist alternatives Leben selbstverständlich. Wir schreiben urbane Geschichten, zwischen weiß und schwarz. Wir nehmen Euch mit auf Reisen, in spannende Austellungen oder stellen Euch interessante Persönlichkeiten vor. Wir lieben Abenteuer. Seid ihr dabei?


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Über Uns

ThreeWords ist ein Urban Culture Magazine für Individualisten.

Die Inhalte sind extrem liberal: Sie zeigen, dass alternative Lebensweisen zum Mittelpunkt des Lebens gehören und nicht im Untergrund oder abseits der Gesellschaft gelebt werden müssen.

Unsere Themen sind Interviews. Menschen. Urbane Geschichten. Leben. Kunst. Events. Musik. Reisen. Kultur und Großstadtliebe aus Hamburg und der Welt.

Folge uns auf Facebook
Für Marken & Unternehmen

Advertising & PR mit ThreeWords.Magazine

Advertisement Links| Advertisement Space |Sidebar Banner Ads | Affiliate Partnership|Brand Ambassadorship | Content und /oder Gewinnspiel Kooperationen | Press Trips|Product - Brand - Facility or Hotel Reviews |Social Media Kampagnen | Erwähnungen| Sponsored Blogposts

Interessiert? Dann sende eine Mail an: threewords-magazine@gmx.de

Impressum
ThreeWords.Magazine is published by Stephanie Bastian | PR&Social Media | 22767 Hamburg

Facebook