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Fuck me baby – fuck me hard! Ein Blick hinter die Ladentheke der größten Erotikboutique Deutschlands!

Hinter den Kulissen der größten Erotikboutique Deutschlands – Die Boutique Bizarre

Ich mache mich auf den Weg zur sündigsten Meile Deutschlands, der Reeperbahn. Sie ist die zentrale Straße im Hamburger Vergnügungs- und Rotlichtviertel St. Pauli. Die vielen Nachtclubs, Bars, Geschäfte und die Herbertstraße, in der die Mädels Tag für Tag Freier empfangen, Geld verdienen und ihre Körper anbieten, sind absolute Anziehungspunkte für Touristen, Seemänner, Hanseaten, Studenten, Obdachlose, Kreative, eigentlich alle Menschen. Denn die Reeperbahn ist etwas ganz Besonderes. Dazu zählen auch der Indie Kult Club Molotow, die Große Freiheit, die bei echten St.Paulianern als Ziel der Nacht eher verpöhnt ist, das St.Pauli-Theater und eine ganz besondere Boutique, die „Boutique Bizarre“, Deutschlands größte Erotikboutique, mit über 1.400 qm Ladenfläche.

Acht Stunden in der größten Erotik Boutique Hamburgs? – I do it!

Ich werde acht Stunden hinter der Ladentheke der Boutique Bizarre verbringen, Kunden bedienen und vielleicht Klischees bestätigen. Vielleicht aber auch nicht? Eine Erotikboutique, was ist das genau? Ein schmuddeliger Laden, in dem kaugummikauende, gepiercte Mädchen mit Silikonbrüsten neben laufenden Pornofilmen gelangweilt auf die Kiste mit dem reduzierten Gleitgel deuten? Oder gemein dreinschauende, kahl rasierte Muskelpakete in einem Keller, alles was nach Lack, Leder und Schmerzen aussieht unter der Ladentheke durchschieben? Oder etwa ein Schmuddelladen in dem Männer in Trenchcoats mit Sonnenbrillen heimlich Prostaatdildos einkaufen??

17:45Uhr – Glitzernde Vibratoren

Als ich mich der Boutique Bizzare nähere, staune ich nicht schlecht, als ich die weiße Außenfassade des extrem modernen Gebäudes entdecke und die Schaufenster stilsicher mit den neuesten, teuersten Dessous dekoriert sind. Die Vibratoren glitzern, glänzen und selbst die Peitschen sehen so geschmeidig aus, als würde man sie direkt einmal ausprobieren wollen.

17:55 Uhr – The Sex Exibithion

Am Eingang begrüßt mich lachend Günter, der sich die ersten vier Stunden um mich kümmern wird. „Komm rein, wir beißen nicht und wenn, wird es sicher schön werden!“ Die Atmosphäre ist atemberaubend. Vieles ist aus Glas. Alles wirkt wie eine große Ausstellung: Glasdildos in Vitrinen, Mitarbeiter, die freundlich lächeln, eine große Bücherwand auf der Linken mit hochwertigen Fotokatalogen. Günter erklärt väterlich: „Ich zeige Dir jetzt erst einmal unsere vier Abteilungen.
Da hätten wir die 25. Das sind wir hier oben, verantwortlich für die Toys und DVDs, sowie das ganze niedliche Merchandise Zeugs wie Salzstreuer in Form eines Penis oder Federn,  als auch Überraschungspakete und Co.“ Er nimmt mich an die Seite und führt mich zur Lackabteilung, in der man neben den hochwertigen Fotobüchern von Dita von Teese oder dem Butt-Magazin auch maßgeschneiderte Korsagen, als auch „Pin Up Couture“ findet und Masken aus zartem Leder mit fein ausgestanzten Mustern sieht. Es glitzert, es funkelt. In den Regalen steht Duftöl und es räkeln sich Slips aus zarten Perlen. Ein Hauch von Nichts. Ich staune. Das ist nicht ganz was ich erwartet habe. „Schön haben wir´s? Nicht wahr?“ Günter arbeitet seit 1990 hier, seit dem Bestehen der Boutique und hat auch die Modernisierung des Ladens miterlebt.

Raus aus dem Klischee

„Früher, da durften wir hier sogar rauchen, runter zur Fetischabteilung ging es durch eine Falltür, naja eigentlich eine Gittertür und wirklich hell, freundlich, sauber war es auch nicht. Dann kam ein neuer Chef und der wollte sich abgrenzen. Raus aus dem Klischee, weg von der Konkurrenz und alle befriedigen.“, er lacht wieder. Ich sehe, heute Abend komme ich um Doppeldeutigkeiten wohl nicht herum.Wir schlendern zur nächsten Abteilung, die wie ich gleich am Anfange gesehen habe, direkt neben dem Eingang ist. Dort findet man über 30 verschiedene Arten von Vibratoren, in allen verschiedenen Farben, Formen, Größen und Materialien. Ob Anal oder Vaginal – für jeden ist etwas dabei. Schon jetzt drängen sich Touristen durch den Laden. „Wir nehmen bald Eintritt“, ruft ein anderer Kollege hinter der Theke uns zu, als wir uns den DVDs nähern. Eintritt wird dann genommen, wenn die Besucher betrunken sind, es zu voll wird oder Reisegruppen kommen, um den Überblick zu behalten und um den ernsthaften Kunden weiterhin eine angenehme Einkaufsatmosphäre zu sichern, denn die hat es. Sogar so sehr, dass wir uns in aller Ruhe die verschiedenen Pornokategorien anschauen können.

Hamburg i love you!

Es ist wirklich alles dabei was man sich vorstellen kann. So recht mag man gar nicht glauben, dass das Motto „Nichts muss, alles kann“ hier wohl seine Geburtsstunde hatte und das manche Menschen nicht begriffen haben, dass man bei der Geburt aus dem Mutterleib gekommen ist und nicht zwanghaft mit allem was man hat wieder hinein muss. Günter und ich steigen die breiten, grau glänzenden Treppen hinab zum Untergeschoss, in dem nicht nur die Fetisch- und Dessousabteilung zu finden ist, sondern auch regelmäßig erotische Ausstellungen stattfinden; mit Niveau. Momentan findet die Austellung „Heimathafen“ statt, die weibliche Pinup´s der 30er Jahre zeigt. Diese sind umhüllt von schweren Roben, Brüste blitzen hervor und Männer rauchen Zigarre neben einer Dampflok. Hamburg i love you! Wenn ich könnte, würde ich sofort eines der Bilder mitnehmen und bei mir zu Hause aufhängen. Hinter der Ecke des letzten Bildes verbirgt sich die Fetischabteilung, dunkel und clean ausgestattet. Ein Genuss für jeden, der es etwas härter mag.  Für die Ahnungslosen gibt es dort Aufklärung im Jahre 2017, samt einer exklusiven, einzigartigen Auswahl an Toys, Peitschen, Leder, Latex und Stahl. Neben mir staunt ein bayrisches Touristenpärchen. Sie flüstert ihrem Mann zu „Wie passt denn dieser  Dildo da rein?“ Gemeint ist ein 30cm-Dildo in Form eines Springerstiefels, der als Toy der Gayszene zu zuzuordnen ist. Blitzschnell antwortet der zuständige Kollege:“ Alles Übung“ und grinst etwas genervt.

Unterwerfung und Macht oder doch lieber eine Tasse Tee?

Ich sehe Peitschen, Lederpaddels und Latexbekleidung, die hinter einem Seil abgeriegelt sind, weil diese so hochwertig und teuer daherkommen, dass wirklich nur die ganz Interessierten dahinter dürfen. Es gibt Elektroschocker, Gas- und Ledermasken, Hundemasken für Petplay Spiele. Sklavenhalsbänder, verschiedene Analdilos, Cockringe aus Stahl und Leder, sowie eine große Hardcoreabteilung für DVDs. Ich finde nichts daran absonderlich, denn keiner muss hier etwas kaufen, sondern darf. Es geht um Toleranz und Verständnis, um Unterwerfung; Macht und Leiden und um ganz viel Lust. Wir probieren ein paar Peitschen und Gerten aus und lassen sie über unsere Hände gleiten. Es riecht angenehm nach Leder. „Es muss vor allem Spaß machen.“ Günter zwinkert mir zu.

Die zwei Kollegen hinter der dunklen Theke lachen, nachdem einer einen Witz gerissen hat. Beide haben Teetassen in den Händen. „Ich bin noch gar nicht richtig fit.“, sagt John, mitte zwanzig, der momentan Kunst und Design studiert:“Ich war gestern wieder mal viel zu lange aus. Ich hoffe heute sind die Gäste friedlich“. Damit meint er jene, die in die „Fetischabteilung“ kommen und nicht verstehen was sie sehen, laut ihre Abscheu und nicht selten ihren Ärger zum Ausdruck bringen.“Die schmeiße ich dann irgendwann raus“, sagt er. „Also irgendwann reicht es dann! Wo sind wir denn hier? Man muss nicht alles mögen, aber Respekt und Toleranz ist hier genauso wichtig, wie im alltäglichen Leben, wer das nicht einhalten kann, soll den Mund halten oder gehen. Wenn das nicht klappt, helfen wir dann..“, er lacht.

Die Polizei ist auch schon da…

In der Dessousabteilung nebenan geht es bunt zu. Puppen haben Polizeikostüme an und Frauen drängen sich vor den Regalen die bestückt sind mit den ausgefallenen und schönsten Strumpfhosen, Strapsen und Lackbekleidung. Hier gibt es neben ganz normaler Orion-Ware wie BH Sets, auch Catsuits, bei denen im Schritt immer ein Loch ist. Desweiteren hängen dort auch Glitzerkleidchen im Kylie- Minogue-Style, Corsagen, „Wetlook – Kleidung“ und Negligees, hochwertige Dessous wie von der Designerin Marlies Deckers, deren schlichte aber gleichzeitig besonderen Kreationen sogar Stars wie Beyonce und Lady Gaga tragen.Wirklich jede Frau findet hier etwas von Größe XS bis hin zu Plus Size Kreationen.

Chris und Anne, die für diese Abteilung zuständig sind, begrüßen mich auch dort mit einem Lächeln. „Na seid ihr schon da?.“ Der Mittdreißiger, der im 40er Jahre Stil angezogen ist und dessen tätowierte Arme unter seinem gestreiften Hemd hervor blitzen, ist sehr sympathisch. „Ich mag meinen Job“, sagt er.“Ich hatte ein Angebot von Hugo Boss in Berlin, aber das habe ich abgelehnt. Hamburg, das ist meine Stadt und der Laden hier hat einen tollen Ruf.“ Die Boutique genießt durch ihre große Auswahl, den immer wechselnden Kunstausstellungen, den vielen Touristen und Stammgästen einen exzellenten Ruf. Wer einmal den Laden betreten hat kommt gerne wieder und vergisst das nicht so schnell. Viele Touristen, die ich treffe, frage ich: „Wie empfinden Sie es hier zu sein?“ Oft bekomme ich die Antwort: „Es ist ganz anders wie ich dachte. So unaufdringlich. Ich fühle mich wohl. Kann mich umschauen was es da so alles gibt! Es ist wie eine Ausstellung!“

20:00Uhr – Betrunkene Mädchen durchvögeln

Es bleibt spannend. Ab jetzt werde ich als vollwertige Mitarbeiterin hinter der Theke, am Eingang des Ladens bedienen und später in die Dessousabteilung wechseln, um dort auch noch einige Zeit zu verbringen. Die Kasse ist einfach zu bedienen und wenn ich einen Fehler mache, ist Günter da um ihn zu korrigieren. Zum Glück habe ich eine Ahnung von den Dingen die hier verkauft werden. Viele Dvd’s gehen über den Ladentisch. Ich versuche mir bei den Titeln nichts anmerken zu lassen. Aber bei „Sperma-Spaß Teil 3“ huscht auch bei mir ein Lächeln über das Gesicht. Die Käuferin, Mitte 40, sehr gepflegt, die mit ihrem auch sehr cleanen Mann nicht nur diesen Film, sondern auch einiges Sexspielzeug kauft, sieht nicht nach Spermaspaß aus. Lektion 1: Es gibt keine Klischees. Wer sieht denn überhaupt nach Spermaspaß aus?!! Der ältere Mann, Mitte 70, der danach das Inflagranti Partyvideo „Betrunkene Mädchen durchgevögelt“ mit sehr jungen Darstellerinnen aussucht, sieht er danach aus? Auch nicht. Im Gegenteil. Er sieht danach aus, als gehe er danach zum Italiener. Ein bisschen Prosciutto essen, oder so.

Made in Germany

„Sorry can you help me?“ Eine Kanadierin steht vor mir, die mit ihren Freundinnen zum ersten Mal Hamburg besucht. „Yes we can“, antworte ich. „What are you looking for? Something for yourself or for your friends?“ Innerhalb von zehn Minuten hat sie mir alles erzählt was ich wissen muss. Die Frau, Mitte 50, will Sexspielzeug kaufen. Es soll hochwertig sein. Geld spielt keine Rolle. Made in Germany begeistert sie und ich zeige ihr das Regal, das mit der Ware von „Fun Factory“ aufgefüllt ist. Zwei Jahre Garantie und ein freches, modernes Design sind neben der Tatsache, dass die Vibratoren ohne Weichmacher hergestellt wurden, für diese Einkäuferin der Punkt sich auf meinen Vorschlag einzulassen. Sie nimmt nicht nur einen, sondern gleich fünf mit. Der Rest soll an ihre daheim gebliebenen Freundinnen verschenkt werden.

„You know.“, sie beugt sich näher zu mir und flüstert: „In my country…We wont speak about those things the way germans talk about .“  Sie wirkt zufrieden, als sie sich für die nette Beratung bedankt und hinaus in den Trubel der Reeperbahn verschwindet. Mehr und mehr Touristen strömen in den Laden und meine „Kollegen“ und ich kommen ins Schwitzen. Die nächste Stunde bin ich ausschließlich damit beschäftigt Kasse zu machen. Das heißt Ware anzunehmen, abzurechnen, einzupacken, dazwischen schnelle Fragen zu beantworten. „Welches Gleitgel empfehlen Sie?“ – „Silkon Gleitgel, das zieht nicht ein“. Es ist ein Geschäft und ich empfinde keine Erregung dabei.  Wir essen zwischendurch Kekse und unterhalten uns über Rezepte, Günters Katze und meine Hobbies. „Hast du den alten Mann gerade gesehen, so um die 80?“ – „Ja.“ – „Ich frage mich immer noch, ob der Dildo für ihn war oder er ihn mit jemandem benutzt“.

Wer Eier unter den Füßen hat, muß leise auftreten…

Ein Pärchen kommt grinsend auf mich zu. Ich ahne,dass die beiden nicht nur schwer verliebt sind, sondern aus ihren Vorlieben bestimmt kein Geheimnis machen werden. Die beiden wollen ein Vibro-Ei kaufen. Ein Vibro-Ei sieht aus wie ein kleines Ei. Es ist aus körperfreundlichem Material und die Frau kann es sich vaginal einführen. Er bekommt dazu eine Fernbedienung und kann es nach Belieben einschalten. Das Gerät funktioniert auch bei großer Entfernung. „Das ist genau was wir gesucht haben, gell Schatz?“ Die Frau greift nach dem Po ihres Partners und quetscht ihn. Ich bekomme eine Ladung Pheromone entgegen geschleudert und blicke mich lässig um. „Das nehmen wir!“ – „Soll ich es Ihnen einpacken..?“ Als ich diese Frage stelle, weiß ich bereits, das meine angenommene Höflichkeit reine Zeitverschwendung ist. Sie wollen es direkt mitnehmen, ausprobieren, einführen.

21:30 Uhr – Guten Tag Frau Möse

Ein Mann um die 50 betritt den Laden. Er hat seinen gerade erst volljährigen Sohn dabei. Er spricht gutes Deutsch, aber man weiß sehr schnell, dass er aus den Niederlanden ist. Er macht sein Geld mit Pornographie, arbeitet für die Firma „Kink.com“. Sein Sohn macht ein Praktikum bei ihm. Ich kenne die Firma, ich weiß nicht was ich davon halten soll, dass sein Sohn dabei ist. Während er mit dem Chef die neuen Verträge bespricht, beobachte ich die Szenerie.

Lektion 2: Sexualität kennt kein Alter. Vater. Sohn. Pornovertrieb. Wahrscheinlich wird in dieser Familie sogar schon beim Frühstück darüber gesprochen. Auf einmal kommt ein Mann auf mich zu und sagt „Guten Tag Frau Möse.“ Der Türsteher, der sofort einen Schritt auf ihn zumacht, stoppt als er meine Handbewegung sieht.“Nun, wie kann ich Ihnen helfen?“ Ich lasse mich nicht beleidigen, aber unter den Umständen meiner Mission kommt mir dieser Kunde gerade recht. „Ich suche was für meine Frau“, sagt er lallend. Ich deute weg von uns in den Laden rein und betone die Vielfalt und Auswahl unserer Produkte, als seine Ehefrau in den Laden kommt, ihn am Kragen packt und raus zieht. Der Türsteher schüttelt den Kopf. Ich sage laut: „Woher kennt der meinen Namen?“

So langsam tun meine Füße weh. Betonboden. Kunden. Das ist ganz schön anstrengend. Aber aufregend zugleich. Wenn Kunden sehr nett sind, schenkt ihnen Günter etwas dazu. Zum Beispiel Süßigkeiten. Made in der Boutique. Ohne Humor geht hier gar nichts. Wir lachen viel mit den Kunden . Ich denke, das ist genau die Atmosphäre, die alle bei ihrem Besuch so schätzen. Ein weiterer Mann betritt den Laden. Dabei fängt er an zu brüllen: „Hey! Ist der „DIRTY SLUTS GANGBANG 16“ schon draußen???!“ Meine Pupillen erweitern sich. “Wie bitte?“ sage ich. Jim, der hier Profi in DVD Fragen ist, übernimmt die Situation und schreit ebenso laut: „Nee, DIRTY SLUTS GANGBANG 16“ auf Blue Ray kommt nächste Woche raus.“ „Dankeeee“, brüllt der Mann wieder zurück „Ich komme nächste Woche wieder“.

Udo Lindenberg kauft ein

Es herrscht gute Stimmung. Die vielen Touristen aus Süddeutschland kaufen, staunen, wuseln im Laden umher. Lilo Wanders grüßt uns kurz. Sie ist regelmäßig als Reeperbahn – Tourguide hier. Auch Udo Lindenberg kauft hier ein. Aber unter der Woche. Nicht an einem Samstagabend. Die Menschen, die in diesen Laden kommen, haben jegliche Nationalität, jegliches Alter und es tut gut das zu sehen. Ich frage ein älteres Pärchen, warum sie heute hier sind? Die beiden sind seit 30 Jahren zusammen und immer noch verliebt wie am ersten Tag. „Aber im Bett, da läuft es nicht mehr so gut“, gesteht sie mir. „Wir wollen jetzt was erleben‘.“ Er nickt brav und zückt den Geldbeutel. Noch drei Stunden bis der Laden schließt. Mein Dienst oben ist geleistet und ich wechsle in die Wäscheabteilung, in der alles ein bißchen seichter zugeht. Hier wird vor allem An- und Ausprobiert. In den drei großen hellen Kabinen nehmen die Kunden bis zu 15 Kleidungstücke mit, die danach meistens alle wieder einsortiert werden müssen. Ouch! Oft aufwendige Wetlook-Bekleidung, die eine Qualitätsstufe unter Latex liegt und bei der man erst mal genau hinsehen muss wie sie zu tragen ist. Wetlook scheint im Trend zu sein. Ein bisschen unanständig sein auch. Viele Ouverts – offene Slips– gehen über die Ladentheke, Strapsgürtel,Wäschesets.

Willst du mein Aschenbecher sein?

Auch Männer kaufen in der Dessous Abteilung ein. Heute decken sich viele Kunden für die nächste BDSM Party ein, die am kommendem Wochenende im bekannten SM Club Catonium stattfinden soll. „Wie ist es denn dort so“ frage ich. Ein unauffälliges Pärchen plaudert aus dem Nähkästchen. Locker, ungezwungen, aufregend. So beschreiben sie die Atmosphäre. Es gibt auch einen Raucherraum. Na dann, denke ich. Muss nur noch einen Sklaven finden der meinen Aschenbecher mimt.

„Entschuldigung?“ Vor mir stehen drei junge Mittzwanziger. Sie kommen aus Greifswald wollen sich mit Wetlook-Kleidung eindecken, da bei ihnen an der Ostsee ein Laden dieser Größenordnung nicht existiert. Gesagt getan. Wir kommen schnell ins Gespräch und ich erfahre, dass sie Medizin studieren. Und ehe wir uns versehen, finden wir uns in einer 30- minütigen Unterhaltung über Sezieren, Leichenteile und Bestattungen wieder. Das finde ich viel bizarrer als alles, was ich heute gesehen habe. Eine Mittzwanzigerin mit Perlenohrringen, die mir über das Sezieren eines Schädels berichtet. Ich erwähne noch, dass sie bitte die Bekleidung nicht in der Sonne trocknen sollen. Der Gedanke löst bei ihnen ein schallendes Lachen aus, auch wenn dieser Ratschlag ernst gemeint war. „Ich denke, das kommt auf unseren Wäscheleinen nicht so gut an..“ sagt sie. „..wir haben konservative Nachbarn“. Wer weiß was da noch so hängt, denke ich, und bekomme Gänsehaut. Auch diese drei Zeitgenossen bedanken sich und verlassen mit neuen Sachen glücklich den Laden.

Die Zeit vergeht wie im Flug und ich sehe Anne und Chris im Wahnsinn zwischen Kunden, Anproben und einer Lieferung von neuer Ware, die zu später Stunde kam. „Was macht ihr, wenn Kunden frech werden?“ frage ich Anne. „Dann werde ich noch freundlicher“ antwortet sie. „Wenn jemand aber lüsternd wird“, verrät mir die braunhaarige Schönheit mit den gemachten Brüsten in Körbchengröße Doppel – D, „dann warne ich ihn und werfe zur Not auch schon mal raus.“

Auftritt der Pornoqueen

Eine schlanke Blondine mit gemachten Lippen nähert sich mir freundlich. „Habt ihr Bikinis? In rot?“ Ich verneine und deute auf die Stripper Outfits, die zu kaufen sind. Wir kommen schnell ins Gespräch. Sie ist aufgeschlossen, nett und kommt clever rüber. Sie braucht einen Baywatch-Bikini für eine Show. Ob sie im Doll House tanzt, frage ich sie. Sie verneint. Es stellt sich schnell heraus und ich staune nicht schlecht, dass sie Pornodarstellerin ist. Eine sehr erfolgreiche sogar. Stella Styles, so ihr Künstlername, ist eine der wenigen weiblichen Darstellerinnen, die es bis nach Los Angeles geschafft haben und nun einen Vertrag bei dem bekannten Label „Privat“ erhalten hat. Die Amis mögen alles was unecht ist. Das heißt dicke Lippen, dicke Brüste. Damit kann Stella glänzen. Ich mag ihr Selbstbewusstsein. Ich frage sie über Ihren Job aus. „Es geht vor allem um Körperbeherrschung“, sagt sie. Sie beschreibt das rein gar nichts am Set erotisch wäre. CUT! STOP! SCHNITT! Reines Business eben. Ich frage sie, was sie mit Körperbeherrschung meint.

„Nun, wenn du zum Beispiel eine Szene mit zwei oder mehr Männern hast, musst du aufpassen das dich keiner verletzt, sonst ist der Drehtag futsch!“ Sie erzählt mir von ihrem Studium der Sozialen Arbeit, ihrer Vergangenheit als Tabledance-Girl und ihrer steilen Karriere, als sie die ersten Videos dreht. Ihr Partner ist Tänzer und akzeptiert, dass es ihr Traum ist ganz nach LA zu ziehen, über den großen Teich, von Hamburg nach Amerika. Ich finde sie und ihren Job respektabel. „Ganz schön anstrengend“, denke ich.

Time to say goodbye

Währendessen flitzen in sämtlichen Abteilungen die Mitarbeiter umher, um das, was die Kunden über Stunden Weg- und ausgeräumt haben, wieder in Ordnung zu bringen. Der Besucherandrang hat nachgelassen und in 15 Minuten werden die letzten Gäste gebeten zu gehen, damit alle den Kassenschnitt machen können. Wenn Geld gezählt wird, sollen keine Kunden im Laden sein.“Mensch war das wieder voll heute, so ist das immer am Wochenende“, Chris fächert sich Luft zu und streckt sich „Ich bin froh, wenn ich in meinem Bett liege.“ Ich verabschiede mich von den beiden, um an den Ausgangspunkt meiner Reise zurückzukehren. Günter verabschiedet mich. „Und, ist es so gewesen wie Du dachtest?“ fragt er mich mit seinen großen blauen Augen und den leicht grauen Haaren. „Nein“, antworte ich „viel besser.“

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1. September 2017

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ONE COMMENT ON THIS POST To “Fuck me baby – fuck me hard! Ein Blick hinter die Ladentheke der größten Erotikboutique Deutschlands!”

  1. Sarah Lee sagt:

    Ein sehr schöner toller Artikel, Super geschrieben und spannend zu erfahren wie es hinter den Kulissen aussieht. 🙂 Genauso mit all dem Witz und dem Humor der Leute die die Boutique erst ausmachen stelle ich mir es dort vor. Ich muss mal wieder vorbeischauen und etwas bummeln gehen. Jedes mal wenn ich Besuch habe ist das ein Must See auf der Tourie-Punkt-Liste. Ich mag die Boutique sehr gerne und gehe auch nur dort einkaufen. Ich fühle mich dort immer sehr gut beraten und freue mich immer über die unterschiedlichen und netten Mitarbeiter. Über ein Überraschungspaket würde ich mich sehr freuen. Danke für den tollen Einblick. Jetzt habe ich meinen Gästen noch mehr darüber z erzählen wenn ich sie durch die Mysteriöse Welt der Reeperbahn führe. 🙂

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