Kultur

Kinotipps aus St.Pauli – Das B-Movie zeigt Filme über das Radfahren und Scheitern als Kunst

The day i became a woman

Das B-Movie St.Pauli zeigt Filmklassiker für Freunde von Freiheit, Radfahren und Kino. Abseits des Mainstream.

Das Wetter bessert sich – so langsam. Die Tage werden milder. Da muss man einfach raus, das Haus verlassen, atmen und die Sonne genießen. Die Natur ruft  ganz laut oder man gleitet auf seinem Rad, mit Musik im Ohr ,einfach so durch die Stadt. Herrlich! Geschwindigkeit durch Muskelkraft. Ein Gefühl von Freiheit! Ganz passend dazu hat das B-Movie ein fahrradlastiges Program zusammengestellt. Wer also, nach einem Ausflug hoch zu Drahtesel, die müden Beine entspannen will, ist hier genau richtig! Gezeigt werden Klassiker wie „Das grosse Rennen von Belleville“, „Tatis Schützenfest“ oder „Pee Wee´s Big Adventure“ – Tim Burtons Erstlingswerk. Wer sich eingehender mit dem Program beschäftig, wird wieder einmal Perlen der Filmkunst entdecken. Ich frag mich immer, woher die B-Movianer ihre Inspiration nehmen, um  wieder so einzigartige, individuelle Filme zu zeigen. Natürlich möchte ich Euch meine persönlichen Empfehlungen nicht vorenthalten, daher Vorhang auf, Film ab. Hier kommen die Filme des Monats Mai aus meinem Kiez!

Der Tag an dem ich zur Frau wurde

Der iranische Episodenfilm erzählt von drei unterschiedlichen Frauen und Mädchen. Eine der Protagonistinnen fährt so schnell Fahrrad, man könnte meinen es ginge um ihr Leben. Aber taucht man ein in die Geschichte des Films, kann man es ihr nicht verdenken, denn schließlich gehört es sich als Frau nicht auf einem Rad zu sitzen. Die Andere möchte eigentlich nur ein Glas kaltes Wasser trinken, als eine Geschichte beginnt, die sie sich so nie hätte vorstellen können. Und das Leben der Dritten im Bunde ändert sich schlagartig, als ein Stock am Strand nicht das macht, was er eigentlich machen soll. Im Film geht es um die einfachen Dinge im Leben, die für uns oft so selbstverständlich sind und für andere Menschen aus anderen Kulturen das Himmelreich bedeuten können. Ein schöner Film.

Kino | B-Movie St.Pauli | Brigittenstraße 5 | So. 15.5. 19 Uhr | Do. 26.5. 20 Uhr |

 

Festival des gescheiterten Films

Das Festival des gescheiterten Films nimmt in Anspruch, nicht die schlechteren Filme zu zeigen, nicht die besseren Filme  zu zeigen, sondern, die „anderen“  Filme zu präsentieren. Es geht um Werke, die es, aus welchen Gründen auch immer, weder ins Fernsehen, noch ins Kino geschafft haben. Ich, aus meiner Sicht  als Filmvorführerin kann sagen, dass es ganz oft ein Unding ist, das jene Streifen abgelehnt werden. Denn nicht selten sind dies wirklich tolle Filme, mit Witz und Charme, deren Anspruch überzeugt und von talentierten Regisseuren gedreht wurden. Für uns Kino-Menschen, die hinter den Kulissen sind, ein Drama der besonderen Art. Genau das dachte sich wohl auch HW Müller, denn er organisiert das Festival des gescheiterten Films“ in Deutschland. HW ist selbst diverse Male an der mainstreamigen Kulturindustrie gescheitert und hat nun also, das Scheitern zur Kunst erhoben. So Unrecht hat er damit ja auch gar nicht. Denn Scheitern, gutes Scheitern ist eine herre Kunst.

Scheitern mit Kultstatus

Nehmen wir zum Beispiel Buster Keaton oder Charlie Chaplin, die haben richtig viel Geld damit verdient, das sie auf der Leinwand regelmässig gescheitert sind. Oder auch den Maler van Gogh. Dieser ist zu seinen Lebzeiten so richtig gescheitert und erst post mortem zu Erfolg gekommen. In der Kinolandschaft ist der Film „Absolute Giganten“ ein sehr schönes Beispiel für einen gescheiterten Film. Der floppte nämlich  1999 so sehr  an den  deutschen Kinokassen, das er für die nächsten Jahre in der Versenkung verschwand, bis er sieben Jahre später plötzlich Kult war. Zurück zu HW Müller, dem Organisator des Festival des gescheiterten Films.  Er ist der Meinung, das Scheitern nichts mit bessere oder schlechter zu tun hat. Er geht viel mehr davon aus, das Scheitern etwas ganz persönliches ist, unser Maßstab, den wir uns selbst anlegen und manchmal eben nicht erreichen. Daher ist das Kredo und Motto des Filmfestivals auch: „Scheitern ist nicht Versagen, sondern bewusst Entsagen“. Ziemlich kryptisch, oder? Fand ich auch bis es verstanden habe.

Ich erkläre es euch: Es geht darum, sich dem Erfolg zu verweigern, ihm zu entsagen. Bewusstes Scheitern also, oder auch schöner Scheitern oder Scheitern als künstlerische Haltung. Jetzt verstanden? Falls nicht, einfach zum Festival kommen! Und zu guter Letzt sei noch eins erwähnt: Das Festival feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. Was vor vielen Jahren eine Lebenseinstellung im Sinne der Underground Kunst war, wird heute von vielen der Szene als sehr hipp empfunden. HW Müller  wäre aber nicht HW, wenn er dem Ganzen nicht eine Kehrtwende gibt und sich bewusst darüber freut, wenn Filme, die in dem Festival laufen, vielleicht irgendwann Kultstatus erreichen, und letztendlich wie beim Hamburger Klassiker „Absolute Giganten“, zum Erfolg führen. Wenn ihr also die Kultstreifen von Morgen jetzt schon sehen wollt, dann geht ins B-Movie !

In diesem Sinne: Allzeit gut Licht!

Kino | B-Movie St.Pauli | Brigittenstraße 5 |13.5 und 14.5. | Start 19 und 21 Uhr |

Death 4 - Festival des gescheiterten Films

 

16. Mai 2016

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