Interview

Riots in der Modewelt – das Plus-Size Model Alexis Erler

Plus Size Model Alexis Erler im Interview mit dem ThreeWords.Magazine

Big Girls are beautiful!

Die Modewelt entdeckt sie Stück für Stück – Plus Size Models sind auf dem feministischen Vormarsch. Endlich bekommen abgemagerte X-Size Models, Ikonen einer ganzen Generation, ausgezehrt und Kokainsüchtig, Konkurrenz. Von Frauen die mitten unter uns sind und es schon immer waren. Frauen mit Kurven. Gesunde, weibliche Frauen mit Ausstrahlung. Endlich werden  Klischees aufgebrochen und falsche Schönheitsideale begraben. Wir freuen uns eine von diesen jungen wunderschönen Frauen präsentieren zu dürfen: Alexis Erler!

Ich habe Alexis getroffen und mit ihr über die Modewelt, falsche Ideale und über das Recht einfach man selbst zu sein gesprochen.

Wie kamst du dazu Plus Size Model zu werden?

Im Herbst 2013 war ich auf der Kurvenrausch Fashion-Show in Hamburg um mir zum ersten Mal wunderschöne, stolze Plus Size Models auf dem Catwalk live anzusehen. Die Show war der Hammer und ich war einfach nur begeistert. Gleichzeitig hatte ich aber immer im Hinterkopf den Gedanken: „Das kann ich auch.“

 

 

 

In den Pausen während der Show sprachen mich immer wieder Besucher und Fotografen an, ob ich nicht Plus Size Model sei. Selbst die großartige Velvet D’amour, die der Gast des Abends war, und Veranstalterin der Fashionshow Tanja Marfo, kamen auf mich zu und sprachen mich an. Und seitdem hat sich der Wille in die Model-Materie einzusteigen so in meine Gedanken gebrannt, dass ich jetzt Step by Step versuche mir etwas aufzubauen. Ich glaube an mich.

Wurdest du jemals aufgrund deiner Maße diskriminiert?

Oh ja. Als Teenager wurde ich sehr oft diskriminiert und ausgegrenzt. Freundinnen konnte ich an einer Faust abzählen und obwohl ich immer auf meinen Stil geachtet habe, war niemand sonderlich begeistert von meinem Erscheinungsbild. (Außer Mutti – danke dafür an meine Mama). Heutzutage ist es eher andersrum. Ich werde oft angesprochen und stehe meistens im Fokus. Ungewollt. Zum Glück sind die meisten Personen mit denen ich zu tun habe erwachsen und setzen andere Prioritäten als über einen dicken Bauch und Popo pikiert zu sein. Ganz im Gegenteil – sie machen mir Komplimente.

Deine drei Lieblingsdesigner?

Marina Rinaldi, Alexander Mcqueen, Jenny Packham

Gibt es Vorbilder?

Ich hab keine speziellen Vorbilder. Ich halte an dem fest was ich erreiche und nehme dann immer die nächste Stufe. Vorbilder lassen mich fremden Personen nacheifern, doch im Endeffekt geht man doch immer seinen eignen Weg.

Wo kaufst du ein?

Meistens kauf ich online bei Asos, Evans, Simplybe und Sheego ein. Das find ich selber nicht besonders klasse weil es einfach viel angenehmer ist Kleidung direkt anprobieren zu können. Aber man hat heutzutage kaum eine andere Wahl wenn man modische Kleidung tragen möchte als Plus Size Frau.

Große bekannte Plus Size Labels die in jeder Stadt mit einem Laden vertreten sind würde ich nicht betreten. Ebenso verirre ich mich selten in die klitzekleinen Übergrößenabteilungen großer Modeketten. Für mich hat die Kleidung dort nichts mit Mode zu tun, für mich sind das einfach meistens riesige Schnitte die uns kurvigeren Frauen ganz klar zeigen: „Hey sorry, aber du hast kein Recht figurbetonte Klamotten zu tragen.“ Wenn ich ein Zelt tragen will dann geh ich in den Baumarkt, aber nicht in eines dieser Geschäfte.

 

Was fällt  Dir zur Fashion-Week in Berlin und London ein..?

Zur Berliner Fashionweek fällt mir nicht viel ein. Enttäuschung wie jedes Jahr. 2014 wird zwar etwas mehr geworben für die Plus Sizes und es kommen immer mehr Designer auf den Markt, die sich jetzt auch den großen Größen annehmen.

Aber sind wir doch mal ehrlich, ein Mädel Anfang 20, mit Übergröße, zieht nicht das an was ein Harald Glöckler da für die Damen fertigt. Auch ein wichtiger Fakt: Die Zielgruppe für Plus Size Mode beginnt viel früher als bei 30+. Ich bin Anfang 20 und möchte was heißes sehen. Bitte keine Animalprints auf einem dehnbaren V-Neck. In London sieht es da schon ganz anders aus. Dort laufen wirklich große Größen, 50, 52, 54. Das finde ich sehr fortschrittlich und sowas sollte es auf jeder Plus Size Show geben. Ebenso habe ich mitbekommen, dass die Plus Sizes auf der Londoner Fashionweek scheinbar richtiges Feeling vermittelt haben.

Das habe ich auch auf der Kurvenrausch Fashionshow in Hamburg erlebt. Unsere Herzen haben vielleicht gepocht als diese wunderschönen Mädels auf den Laufsteg kamen. Dieses Gefühl ist unbezahlbar, doch habe ich es ansonsten noch nie im Zusammenhang mit Übergrößen Mode erlebt. Es wird ein viel zu großer Hype gemacht um viele Shows und im Endeffekt sind doch die passionierten Modemädels in Übergröße einfach schwer enttäuscht.

Was denkst du über die Modewelt und was sollte sich ändern?

Mit der Zeit gibt man sich mit dem zufrieden was man bekommt und macht das Beste daraus. Die Modewelt ist noch immer viel zu distanziert und ängstlich was selbstbewusste und modebewusste Übergrößen betrifft.
Grundlegend sollten sich einheitliche Maße finden lassen. Ich bin es leid, sicherlich wie viele andere Menschen auch, in jedem Laden eine andere Größe zu haben. Ebenso sollten die Geschäfte ihre Größenpallette erweitern. Bitte liebe Welt, wir Plus Size Mädels wollen doch auch einfach nur durch die Stadt schlendern und mal sagen können: „Hey schönes Kleid, wow, das gibt’s sogar in meiner Größe.“

Generell sind die Übergrößen immer eine Randgruppe, wo die meistens erst mal das Gesicht verziehen. In wenigen Köpfen ist es angekommen, dass es viele modeinteressierte Plus Size Frauen gibt, die potentielle Kunden sind. Und warum kann man die Menschen nicht einfach in allen Formen und Größen akzeptieren? Wir haben doch auch das Recht auf schöne Mode zu einem bezahlbaren Preis. Modewelt – tu was dafür!

Sophie Dahl, eines der erfolgreichsten Plus Size Models der 90er, hungerte sich nach ihrem Erfolg auf bei einer Körpergröße von 180cm auf 59 Kilo runter. Ist das nicht ironisch?

Ironisch finde ich das eher weniger. Im Endeffekt muss es jeder selber wissen. Ich denke es werden noch viele Plus Size Models kommen, die sich jetzt zelebrieren und zelebrieren lassen und im Endeffekt doch nicht den Erwartungen und dem gewünschten Modelbild der Öffentlichkeit stand halten können.

Ganz oft habe ich das Gefühl bei Plus Size Frauen einfach nur ein aufgesetztes Selbstbewusstsein zu finden, kritisierst du sie einmal werden die Krallen ausgefahren oder du brichst die Person vollkommen.

 Wann ist eine Frau attraktiv?

Für mich hat die Attraktivität einer Frau nichts mit der Figur zu tun. Ich persönlich finde es sehr attraktiv wenn Frauen sich selbst lieben aber nicht arrogant wirken. Wenn sie keine Unsicherheiten zeigen und auch über sich selbst lachen können. Ich finde es sehr attraktiv wenn Frauen sich gut kleiden können und Stil haben. Frauen mit Stil machen unsere Welt einfach interessanter.

Für welche Modeljobs bist du buchbar und für wen würdest du gerne arbeiten?

Da ich momentan noch in der Anfangsphase bin, halte ich das relativ flexibel. Gerne Fashion oder Lifestyle-Shootings aber insgeheim schlägt mein Herz für Vintage und Lingerie-Fotos. Dieses Jahr zeige ich auch meine Kurven auf ein paar Laufstegen in Deutschland was ich super interessant finde, den da kann man die Leute Live und in Farbe davon überzeugen wie ansehnlich große größen sein können. Gerne würde ich mal eine Foto-Strecke für ein Lifestyle-Mag oder ein Plus Size Magazin shooten. Das wäre ein Traum. Es wird spannend und ich freue mich!

Alexis! In London würden wir nun sagen “ Thanks for having you“. Wir wünschen uns das dein Interview anderen Frauen Mut macht und wir mehr Models wie dich in Magazinen, im Fernsehen und natürlich auch auf der Fashion-Week sehen werden. Bis bald in Hamburg!

Alex Erler | Kontakt | Facebook

 

20. Januar 2014

About Author

Neo ist gut in drei Worten zu beschreiben: Blogger.Lover.RiotGirl. Ihr Herz hat sie in London verloren und in Hamburg wiedergefunden. Mit ihrem lauten Lachen steckt sie nicht nur zu neuen Abenteuern an, sondern nimmt das Leben mit dem gewissen Sinn für Humor ernst. Sie ist immer auf der Suche nach neuen Geschichten und Menschen, die wie sie voller Liebe zum Leben sind und zwischen den Zeilen zur Ruhe kommen. Widerstand ist ihr Lebensmotto! Frei fühlt sie sich auf Reisen und in kleinen, dreckigen Spelunken, in denen sie gerne Kurze kippt und versucht die Jukebox zu bedienen.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Über Uns

ThreeWords ist ein Urban Culture Magazine für Individualisten.

Die Inhalte sind extrem liberal: Sie zeigen, dass alternative Lebensweisen zum Mittelpunkt des Lebens gehören und nicht im Untergrund oder abseits der Gesellschaft gelebt werden müssen.

Unsere Themen sind Interviews. Menschen. Urbane Geschichten. Leben. Kunst. Events. Musik. Reisen. Kultur und Großstadtliebe aus Hamburg und der Welt.

Folge uns auf Facebook
Für Marken & Unternehmen

Advertising & PR mit ThreeWords.Magazine

Advertisement Links| Advertisement Space |Sidebar Banner Ads | Affiliate Partnership|Brand Ambassadorship | Content und /oder Gewinnspiel Kooperationen | Press Trips|Product - Brand - Facility or Hotel Reviews |Social Media Kampagnen | Erwähnungen| Sponsored Blogposts

Interessiert? Dann sende eine Mail an: threewords-magazine@gmx.de

Impressum
ThreeWords.Magazine is published by Stephanie Bastian | PR&Social Media | 22767 Hamburg

Folgt uns auf Instagram
Facebook