Kunst

Der Objektkünstler Klaus Friese – „Sex sells!“

Objektkunst aus Hamburg: Sex sells!

Übergroße Brüste mit abstehenden Brustwarzen, fast schon Skulptur artige Hintern, eine Vulva mit einem Stück Bein. Der außergewöhnliche Winkel den der Fotograf wählt, verzerrt den Blick des Betrachters und rückt den Menschen in den Hintergrund. Primäre undsekundäre Geschlechtsteile werden in den Vordergrund gestellt und zum einzigen Bildinhalt.

Der Hamburger Fotograf Klaus Friese ist Objektkünstler. Sein Thema könnte aktueller nicht sein, gibt uns doch das Leben jeden Tag vor: Sex sells! So sexy er Titel daherkommt, Menschen verlieren bei diesem Thema auch ihren Wert. Und am Ende verfliegt der Reiz der Sexualität und das Objekt steht alleine für sich, als Resultat einer kranken Gesellschaft die normiert. Dennoch wirken Frieses Werke nicht wie eine flache Provokation, mit einem immer währenden Stilmittel, sondern sie stehen, als fast schon erhabendes, schwebendes Beispiel, das sich befreit hat, für sich, im pornografischen Zeitalter und werden autonom.

Zur Kunst und zur Fotografie kam Klaus Friese in seinen frühesten Schulzeiten. Erst begann er zu zeichnen, dann entdeckte er seine Liebe zum Theater. Was er macht ist nicht nur“ hübsch und dekorativ“, sagt Klaus Friese, sondern, er ist mittlerweile dort angekommen wo er mit seiner künstlerischen Arbeit immer sein wollte. Wenn man seine Werke betrachtet, bemerkt man seine Affinität zur Weitwinkelfotografie. Normalerweise ist dem Betrachter der „grundlegend einseitige“ Blick auf die Dinge gegeben. Mit seiner Inszenierung aus Fisheye und Weitwinkel, zeigt er mehr von allem, und nutzt diese Sichtweisen um den Menschen eine andere Welt zu eröffnen.Objektkunst ist das, was Klaus Friese sein Thema nennt. Dabei fasziniert ihn der Mensch. Seine Inspiration findet er im alltäglichen Leben wieder. „In meinem Kopf ist ein großer Herd mit vielen Kochtöpfen und da köcheln und blubbern Ideen vor sich hin.“

Interview

Hallo Klaus. Ein kleiner Nebensatz deines Themas ist ja „Sex Sells“ – Warum funktioniert dieser über Generationen hinweg eigentlich so gut? Sex ist ein Grundbedürfnis. Aber im Gegensatz zum Essen nicht an jeder Ecke erhältlich, sondern meistens ein eher rares Gut. Hohe Nachfrage, wenig Angebot, da kriegt man schon mit der Andeutung von Sex viel Aufmerksamkeit.

Wie erlebst du das Thema Sexualität in der Öffentlichkeit? Absurd. Unentspannt. Wie gesagt – es ist ein Grundbedürfnis, wird aber nicht so behandelt. Stell Dir mal vor, Essen und Sex währen in ihrer Wahrnehmung in der Gesellschaft vertauscht. Wir hätten Sexblogs,Vögelsendungen im Fernsehen, Fastfickbuden. Es gäbe Kräutercommunities, in denen sich „Perverse“ online über Petersilie und Basilikum austauschen und Politiker müssten zurücktreten, weil sich beim Genuss von Zartbitterschokolade erwischt wurden.

Das klingt für uns jetzt absurd – aber unser aktueller Umgang damit ist letzten Endes genauso absurd. Da wünsche ich mir einen entspannteren Umgang mit dem Thema. Ich hab die „Objekte“- Serie ja schon im Frühjahr auf einer Kunstmesse ausgestellt und da hatte ich mit anderen Künstlerinnen und Künstlern dann sehr entspannte Gespräche, da konnte Sex und Sexualität dann ein normaler Gesprächsthema sein. Ohne persönliche Bettgeschichten, einfach ein normaler Austausch über Schwänze, Brüste, Ärsche, über die Wahrnehmung von Sexualität.

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Wer ist Schuld an der Objektifizierung des Einzelnen? Die Pornoindustrie? Oder ist es ein generelles soziologisches Problem, dem wir gegenüber stehen? „Schuld“ ist so ein toller Begriff, mit dem man sich selber aus der Verantwortung nehmen kann. Jeder von uns hat ein wenig Anteil daran und kann sich selber im Alltag mal beobachten. Und sein eigenes Verhalten ändern. Die Gesellschaft ändert man damit nicht, aber vielleicht einen Teil des eigenen Umfeldes. Gesellschaftlich sehe ich da einen großen Anteil bei den Massenmedien, da geht es lange nicht mehr um Wahrheiten und Menschen, sondern um Auflagen und Reichweite für Werbung. Damit wird jede „persönliche“ Geschichte zum Objekt, Hintergründe sind unwichtig – Leserzahlen zählen.

Hast du schon mal einen Menschen auf das wesentliche reduziert? Nur im Sinne der Kunst. Hoffe ich wenigstens.

 Warum denkst du wird alles in unserer Welt unpersönlicher?Am zunehmend unpersönlichen haben die Medien und die Technisierung sicher ihren Anteil. Ich nutze das selber ja sehr intensiv und bin sicher kein Technikfeind. Aber ich merke auch, dass durch den permanenten Input von überall sich die Aufmerksamkeit viel mehr verteilt. Solange ein Handy in Reichweite ist, haben mein Gesprächspartner oder die Umwelt weniger Aufmerksamkeit.Man neigt dazu, viel mehr zu springen – drei Sätze sagen – kurzer Facebook-Check: „Moment da ist ‘ne SMS, sorry da muss ich kurz schreiben – oh da ruft jemand an – worüber hatten wir noch gesprochen?“

Gibt es Hoffnung? Heute morgen ist die Sonne wieder aufgegangen: Ja, es gibt Hoffnung. Meine Antwort dazu schwankt aber immerr. Ich habe einen Freundes- und Bekanntenkreis mit sehr vielen tollen kreativen humorvollen und netten Menschen in vielen Altersklassen. Und ich lerne immer mehr davon kennen. Wenn ich mir die anschaue und sehe wieviele gute Menschen es auf der Welt gibt, dann ist auf jeden Fall Hoffnung. Sehr viel.Und manchmal lese ich die Zeitung, mache ein paar Einkäufe und denke mir, dass ich möglichst bald viele schöne Dinge machen sollte bevor der Untergang kommt. Im Allgemeinen bin ich aber sehr positiv. Oder wie eine Freundin sagte: „Man, Du bist immer so verdammt positiv – wie machst Du das?“

Deine Objekte zeigen das vollkommen Anonyme und muten fast schon abstrakt an. Du bist aber ein sehr persönlicher Mensch. Wie sind die Werke entstanden und wie war die Zusammenarbeit mit den Modellen? Die Bilder sind alle im Fotostudio entstanden, die Modelle waren teilweise aus dem Semi-Profibereich, teilweise Freundinnen. Nachdem ich die erste Reihe der Bilder fertig hatte, habe ich auf Events auch Leute angesprochen und dafür gewonnen. Die Zusammenarbeit war toll. Shootings sind bei mir immer sehr entspannt und lustig. Ich kann sowohl mit Fremden als auch mir Freunden meistens schnell eine vertraute Atmosphäre aufbauen. Und experimentell war es – da kamen dann auch oft von den Modellen noch weitere Ideen, was man machen kann. Eines der Modelle war dann auch bei der letzten Vernissage und hat ihren eigenen Hintern in 180x180cm bewundert.

Was werden wir in Zukunft von dir sehen? Sind neue Projekte geplant? Die “Objekte”-Serie wird erweitert, da will ich mehr mit Männern machen. Ich hab auf der ersten Ausstellung gemerkt, dass die Frauen vor den Bildern standen und sich selber mit den Bildern verglichen haben, da war ein “Ist mein Hintern auch so rund? Meine Haut so glatt?” Und den Effekt – der nicht beabsichtigt wer – will ich auch bei den Männern erreichen. Ein erstes Shooting gab es schon, ich suche da aber noch nach den richtigen Bildern und Perspektiven. Und dann nach weiteren männlichen Modellen. Ich glaube, ich hätte gerne mal einen Pornodarsteller mit extragroßem Schwanz für ein Shooting, das ist was für das nächste Jahr.

Und dann hätte ich gerne eine größere Ausstellung oder Kunstmesse, für die ich eine Fotobox bauen kann, in der man seinen eigenen Hintern so abbildern und „objektifizieren“ kann. Weißer Hintergrund, gutes Licht, fest installierte Kamera. Da kann jeder Besucher rein, sich ausziehen und auf eine markierte Position stellen. Über einen Bildschirm die Ansicht kontrollieren und dann auslösen. Auch was für’s nächste Jahr..

Infos: klausfriese.de

 

 

19. September 2014

About Author

Neo ist gut in drei Worten zu beschreiben: Blogger.Lover.RiotGirl. Ihr Herz hat sie in London verloren und in Hamburg wiedergefunden. Mit ihrem lauten Lachen steckt sie nicht nur zu neuen Abenteuern an, sondern nimmt das Leben mit dem gewissen Sinn für Humor ernst. Sie ist immer auf der Suche nach neuen Geschichten und Menschen, die wie sie voller Liebe zum Leben sind und zwischen den Zeilen zur Ruhe kommen. Widerstand ist ihr Lebensmotto! Frei fühlt sie sich auf Reisen und in kleinen, dreckigen Spelunken, in denen sie gerne Kurze kippt und versucht die Jukebox zu bedienen.


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